Kapstadt

Townships – Ein Tag in einer anderen Welt

Townships. Sie sind wahrscheinlich das wovor ich auf meiner Reise den größten Respekt habe. Die Dinge, die man über diese Orte hört sind meistens keine guten. Die Armut ist unter menschenwürdigen Verhältnissen, es gibt kaum Arbeitsplätze und es herrscht eine hohe Kriminalitätsrate. Kurz vor Beginn der Tour sind bei einer Schießerei elf Menschen in einem der Townships ums Leben gekommen.

Doch nicht deswegen habe ich lange mit mir gerungen diese Tour zu unternehmen. Ich habe daran gezweifelt, dass man wirklich in Kontakt mit den Menschen kommt, sondern sie eher nur bestaunt wie in einem Zoo. Am Ende hat jedoch die Neugier und Hoffnung, das es anders kommen wird, überwogen.

Die Tour begann in einem Community-Center, das mehrere Townships verbindet. Die Bewohner nutzen diesen Ort um zusammen zu kommen und sich zu beschäftigen. Es gibt Internet, allerdings nur für zwei Stunden am Tag, ein Theater, ein Cafe, und mehrere Werkstätte und Ateliers, in denen getöpfert und gemalt wird. Die hier entstanden Werke kann man entweder dann vor Ort kaufen oder sie werden auf dem Markt verkauft.

Wenige Meter entfernt von uns spielte eine Gruppe von Kindern auf einer Matratze, welche sie als Trampolin benutzten. Das war ein erster Vorgeschmack auf die hier herrschende Armut. Doch trotzdem, die Kinder waren mit ihrem Spiel so glücklich, so in es vertieft, das eine verwirrende Mischung aus Traurigkeit und Freude zu spüren war.

Unser Tour-Guide war ein waschechter Südafrikaner, der in dem ältesten Township Südafrikas, Langa, was übersetzt „Sonne“ heißt, aufgewachsen ist. Township bedeutet übrigens: der Ort in dem die Arbeiterklasse wohnt. Und so beginnt unsere Tour durch die Straßen von Langa.

Ich möchte nichts schönreden, die Eindrücke, die man hier mitnimmt, sind auf den ersten Blick für einen Europäer schockierend. Die Menschen leben teilweise zu viert in der Hälfte eines Containers, auf der Straße liegt überall Müll und für die meisten Menschen hier herrscht auf lange Sicht keine Chance auf Besserung. Das Bildungssystem ist schlecht, wer nicht auf eine Privatschule geht oder ein Stipendium erhält hat so gut wie keine Möglichkeit einen wirklich gut bezahlten Job zu finden.

Doch die Eindrücke die ich an diesem Tag mitnehmen sind keinesfalls negativ, sie sind positiv.

Die Menschen hier leben ihr Leben weiter und versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Es gibt eine Menge Läden, vor allem Friseure und kleine Stände mit Essen. Spezialitäten sind hier zum Beispiel Hühnerfüße oder Schafskopf. Alle sind freundlich und empfangen Fremde und Gäste mit offenen Armen, die Kinder möchten spielen und mit den Erwachsenen kann man sich unterhalten.

Ein Mädchen das ihre Hausaufgaben macht, ein Gospelchor, der durch die Musik zusammenkommt und versucht Hoffnung zu schöpfen und ein Junge der durch die Luft fliegen will. All das sind die Erinnerungen die bleiben… und einem die Augen öffnen.

Die Tour ist alles andere als nur gucken und bemitleiden, es ist ein Tag internationalen Kontaktes mit einer fremden Lebensart und Kultur in einer unwirklich erscheinenden völlig anderen Welt.

Die Verhältnisse in denen die Menschen hier leben sind für uns in Europa unvorstellbar. Ich habe daraus gelernt, dass wir die Dinge und die Privilegien, die wir in einem Land wie Deutschland haben, schätzen und uns vielleicht manchmal weniger beschweren sollten. Glücklich zu sein ist nicht an materielle Dinge gebunden, das haben die Menschen mir hier gezeigt.

Ein Erlebnis, das für immer in Erinnerung bleiben wird.

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